| Hunde können Krebszellen auf ihre Artgenossen übertragen.
London/Cambridge (dpa) - Hunde können beim Sex und beim Beschnuppern
Krebszellen auf ihre Artgenossen übertragen. Der so genannte übertragbare
venerische Hundetumor gehe vermutlich auf ein einziges erkranktes Tier vor
200 Jahren zurück.
Das schreiben britische Forscher im US-Fachjournal «Cell» (Bd. 126, S. 477)
vom Freitag. Beim Menschen ist diese Übertragungsart nach Expertenangaben
nicht möglich.
Ein Team um Robin Weiss vom University College London zeigte durch
genetische Untersuchungen von krebskranken Hunden aus fünf Kontinenten, dass
deren Tumore von einer einzigen gemeinsamen Krebsvorläuferzelle abstammt.
Beim genetischen Vergleich von Zellen aus dem Tumor und dem Blut der
einzelnen Hunde stellten die Forscher zudem wenig Übereinstimmungen fest.
«Wir sahen, dass der Tumor nicht zum Hund gehörte, stattdessen gehörten die
Tumore zueinander», berichtet der Forscher Claudio Murgia.
«Eine Übertragungsart - wie sie bei dem sexuell übertragbaren Lymphom von
Hunden beschrieben ist - gibt es für Krebszellen beim Menschen nicht»,
betonte der ehemalige Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums, Prof.
Harald zur Hausen. Auf Grund epidemiologischer und molekularbiologischer
Untersuchungen gebe es auch keinen Anhaltspunkt dafür, dass solche
Krebsübertragungen in Zukunft entdeckt werden. Eine Ausnahme sei eine
mögliche Übertragung bei Organtransplantationen auf Patienten mit
geschwächtem Immunsystem.
«Ein relativ gut belegter weiterer Fall dagegen ist der Krebs des
Schnauzenbereichs beim tasmanischen Beutelteufel, bei dem Zellen
offensichtlich durch Bissverletzungen von einem Tier auf das andere
übertragen werden», sagte zur Hausen.
Laut Weiss gab es seit mindestens 30 Jahren schon Hinweise darauf, dass die
Übertragung des Tumors bei Hunden durch Krebszellen selbst erfolgt «nur
die harten Fakten fehlten». Der auch als Sticker-Sarkom bekannte Krebs ist
weltweit vor allem bei streunenden Hunden verbreitet und befällt meist die
Schleimhäute der Geschlechtsorgane. Er wird vor allem sexuell übertragen,
aber auch durch Lecken, Beißen oder Beschnüffeln. Ältere Studien hatten
bereits gezeigt, dass der Krebs im Versuch nur durch Übertragen der lebenden
Krebszellen verbreitet werden konnte. Abgetötete Zellen oder Zellfiltrat
erwiesen sich als nicht ansteckend.
erschienen am 10.08.2006 um 18:02 Uhr
© WELT am Sonntag
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